

Seit ich diese Arbeit mache, kommt immer wieder die Frage auf: Wie sieht denn so eine Sitzung aus? Liegt der Klient auf einer Liege? Wird der Körper dabei berührt? Ist es eine Art Massage? Wie kriege ich den Körper dazu, dass er Dinge zeigt?
Ja, ich gebe zu, das körperorientierte Coaching wirft zunächst mal viele Fragen auf. Was das körperorientierte Coaching genau ist, habe ich bereits in diesem Blogbeitrag erklärt. Aber dann bleibt ja immer noch die Frage, wie das jetzt genau abläuft in so einer Sitzung.

Das mag jetzt erstmal viele überraschen. Körperorientierte Sitzungen – online: Funktioniert das überhaupt? Ja, das funktioniert und sogar sehr gut. Ab und zu arbeite ich auch mit Menschen vor Ort. Wenn sie in der Nähe wohnen ist das durchaus möglich. Allerdings habe ich gemerkt, dass das online arbeiten so viele Vorteile bietet: Für mich natürlich erstmal, weil mein Einzugsgebiet viel größer ist. Ich habe mittlerweile Klienten aus Österreich, der Schweiz und ganz verstreut aus Deutschland. Das ist für mich natürlich toll.
Aber der Hauptgrund ist finde ich, dass die Klienten in ihrer vertrauten, sicheren Umgebung bleiben können. Sie müssen sich nicht ins Auto setzen, in eine fremde Stadt fahren. Sie müssen nicht in einem fremden Haus sitzen, wo sie oft die Räume nicht kennen. Sie wissen nicht, wer befindet sich noch im Haus? Was ist hinter der nächsten Tür, usw. Ich weiß, das klingt jetzt sehr überspitzt. Aber eine ganz wesentliche Grundvoraussetzung dass diese Arbeit funktionieren kann ist, dass der Körper und das Nervensystem sich sicher fühlen. Gerade Nervensysteme, die viel Trauma mit sich tragen, haben oft wenig Kapazität für Neues. Und ganz unbewusst sind sie ständig am abchecken: bin ich hier sicher? Kommt mir der Mensch gegenüber auch nicht zu nahe? Kann ich bei Gefahr schnell weg? Was sind das für Geräusche? usw. Oft geschieht dies auch ganz unbewusst und wir merken das gar nicht auf einer bewussten Ebene.
Ganz anders ist das natürlich zu Hause. Ich empfehle immer für die Sitzung einen ruhigen, gemütlichen Platz zu suchen. Vielleicht mit der Lieblingsdecke, einer Tasse Tee, oder eine Wärmflasche und dafür zu sorgen, dass sie für die Zeit der Sitzung nicht gestört werden. Merkt ihr, wie allein bei der Vorstellung das Nervensystem entspannen kann? Allein dieses Setting bietet dem Körper schon eine ganz andere Erfahrung von Sicherheit.
Für die Zeit der Sitzung entsteht ein energetischer Raum, in dem dann auch nur wir beide sind. Und hier auf energetischer Ebene können die KLienten auch den Abstand zu mir immer wieder neu regeln. Manchmal brauchen tief traumatisierte Anteile ganz viel Nähe, dann können sie innerlich an mich anlehnen. Manchmal braucht es aber auch ganz großen Abstand zu anderen Menschen. Gerade Menschen, die massive Grenzverletzungen erlebt haben, brauchen manchmal ganz viel Abstand. So können wir immer wieder den Abstand neu regulieren, wie es gerade stimmig ist.
Unsere Sitzung beginnt zunächst mal damit, dass wir kurz besprechen: wie geht es dir gerade? was für ein Thema ist gerade präsent? Was hat Dich die letzten Tage/Wochen beschäftigt? Was möchtest Du vielleicht auch erreichen mit dieser Arbeit?
Dann starten wir mit einer kurzen Einstimmung. Hier geht es vor allem darum, dass unser Körper im Hier und Jetzt ankommen kann. Diese Verankerung im Hier und Jetzt ist so wichtig für den Körper. Er darf spüren, heute ist es sicher. Hier und jetzt droht keine Gefahr. Es ist Halt da, es ist ein sicherer Raum da und er ist nicht allein. Und egal, was der Körper gleich erzählt und freigibt, wir können jederzeit ins Hier und Jetzt zurückkommen. Man könnte vielleicht sagen, wir legen im Hier und Jetzt einen sicheren Anker.
Nach dieser Einstimmung gehen wir mit der Wahrnehmung zum Körper und der Klient darf zunächst mal wahrnehmen, spüren: Wie geht es dem Körper gerade? Was zeigt sich? Zeigt sich eine bestimmte Körperstelle? Kommt ein bestimmtes Gefühl auf? Wir müssen da auch nichts anstoßen oder puschen. Im Gegenteil: wir lauschen ganz achtsam, was der Körper uns heute erzählen will und vertrauen dabei auf die Weisheit des Körpers, dass er uns das zeigt, was heute dran ist, was den nächsten Heilungsschritt bringt. Und egal, was es auch ist, wir heißen es willkommen und nehmen es liebevoll wahr.
Und mit dem, was sich zeigt, arbeiten wir dann weiter. Während der Körper seine Geschichte erzählt, tauchen dann vielleicht weitere Körperempfindungen oder Bilder von damals auf, oder es tauchen Emotionen auf, die damals nicht verarbeitet werden konnten. Wir helfen dem Körper behutsam, diese Emotionen durchfließen zu lassen, sie nachträglich zu verdauen.
Dabei stehen uns verschiedene „Werkzeuge“ zur Verfügung, mit denen wir in der Sitzung arbeiten. Wir schauen dann: was hätte dieser innere Anteil damals gebraucht? Was hat gefehlt? Hätte er vielleicht Halt gebraucht? Schutz? Vielleicht ein präsenter Erwachsener, der diesen Anteil sieht und wahrnimmt? Und das schöne ist: heute können wir diesen kleinen Anteilen geben, was damals nicht da war. Und damit kann sich nachträglich ein neues, stabiles Fundament bilden.
Trauma bedeutet, dass wir herausfordernde Erfahrungen gemacht haben, die wir zum damaligen Zeitpunkt nicht vollständig verarbeiten konnten. Diese nicht verarbeitetenden Gefühle, Reaktionen und Eindrücke tragen wir weiterhin in uns. Dies ist eine sehr kluge Überlebensfunktion unseres Körpers: Der Körper realisiert: oh hier passiert etwas schlimmes, aber es ist gerade nicht genug Kapazität und Sicherheit da, um dies zu verarbeiten oder zu fühlen. Dann packen wir das mal weg, so dass ich jetzt im Moment funktionieren/überleben kann.
Und indem wir dem Körper in der Sitzung einen sicheren Raum bieten, helfen wir ihm, diese Gefühle, Reaktionen und Eindrücke von damals nachträglich zu verarbeiten. Er darf spüren: heute ist hier ein sicherer Raum, ich bin nicht alleine mit dieser Situation von damals. Wir holen diesen Anteil, der noch in dieser Situation feststeckt quasi ins hier und jetzt und können im heute geben, was er damals gebraucht hätte. So arbeiten wir Schicht für Schicht durch, was der Körper uns zeigt.
Und ja, das ist nicht immer schön, diesen alten Schichten zu begegnen. Oft ist da viel Wut, Angst, Verzweiflung, Schuld, ein tiefes Schämen, Einsamkeit und vieles mehr. Und es erfordert immer wieder von Neuem auch Mut, diesen Anteilen in uns zu begegnen, die wir doch eigentlich gerne einfach nur wegdrücken würden.
Es ist auch keine Arbeit, die schnelle Wunder verspricht. Nein, wir können nicht übers Wochenende alle Blockaden loslassen. Heilung braucht Zeit und Raum. Manchmal gehts in großen Schritten voran, manchmal treten wir gefühlt auf der Stelle…
So folgen wir während der Sitzung dem Körper, der uns den Weg weist. Und ich staune dabei immer wieder, wie weise der Körper ist. Wie sich immer das zeigt, was gerade dran ist und was gerade für seine Heilung wichtig ist.
Gegen Ende der Sitzung lassen wir dann alles nochmal sacken und geben dem Körper und dem Nervensystem Zeit, diese neuen Erfahrungen zu integrieren.
Anschließend kommen wir dann ganz behutsam wieder zurück ins Hier und Jetzt.
Spannend finde ich auch, dass die Sitzung oft noch nachwirkt. Wir haben in der Sitzung eine Heilungswelle angestoßen und die wirkt auch oft die Tage drauf noch nach. Da kommen dann manchmal noch Emotionen oder innere Bilder hoch, manchmal berichten die Klienten auch, dass sie wirre Träume haben oder auch, dass sie die nächsten Tage sehr erschöpft waren. Nach manchen Sitzungen ist auch ganz viel neue Energie freigesetzt und man hat einen richtigen Energieschub. Das ist oft ganz unterschiedlich und einfach ein Zeichen, dass die Energien noch fließen.
Um es ein bisschen verständlicher zu machen, möchte ich vielleicht noch ein paar Beispiele aufzeigen. Es sind kleine Bruchstücke aus Sitzungen, an denen man sieht, wie wir dem Körper Schicht für Schicht die Möglichkeit geben, das damals erlebte zu verdauen und loszulassen.
Bei einer Klientin zeigte sich zu Beginn der Sitzung ein Gefühl der Starre im Nacken. Nach und nach kam das Gefühl dazu, alles alleine halten zu müssen, weil sonst niemand da ist. Gleichzeitig war auch eine starke diffuse Angst da, es nicht zu schaffen. (ein Gefühl, das sie auch immer wieder im Alltag hat). Auf die Frage, wie alt dieser Anteil wohl sei, meinte sie es sei ein kleines Baby. Diesem Bedürfnis nach Halt und Sicherheit und nach präsenten Erwachsenen, die auch wirklich die „Erwachsenenrolle“ übernehmen, konnten wir dann in der weiteren Sitzung begegnen.
Ein Klient hatte immer wieder Schmerzen in der Bauchgegend, welche sich dann auch in der Sitzung zeigten. Es fühlte sich immer wieder wie ein starkes Zusammenziehen(krampfen) an. Wir gingen zunächst mit diesem Zusammenziehen mit und im weiteren Verlauf kam dann das Gefühl hinzu, ich möchte mich zurückziehen, mich verstecken. Auch diesem Impuls ließen wir den Körper folgen. Aus der Sicherheit des Verstecks kam dann eine Wut, dass keiner seine Grenzen schützte. Als kleiner Junge musste er immer wieder die Erfahrung machen, dass seine Grenzen oft nicht respektiert wurden und kein Erwachsener da war, der ihn in Schutz nahm und seine Grenzen schützte. Dieser Wut und dem Gefühl des Ausgeliefert-Seins konnten wir dann begegnen….
Falls Du jetzt denkst, das wäre was für Dich, oder Du das körperorientierte Coaching einfach mal ausprobieren möchtest, kannst Du gerne eine vergünstigte Kennenlernsitzung buchen. Oder Du kannst mir einfach eine e-mail schreiben an info@andreahuber-heilraum.de
Ich freue mich auf Dich.